Hamstring-Sehne: Zerrung, Reizung oder Riss am hinteren Oberschenkel - Orthopaeden Wiesloch
05 Okt. 2026

Hamstring-Sehne: Zerrung, Reizung oder Riss am hinteren Oberschenkel

Ein stechender Schmerz hinten am Oberschenkel beim Sprint, ein Ziehen am Sitzbein nach langem Sitzen oder ein dumpfer Schmerz, der beim Laufen einfach nicht verschwinden will – hinter all dem kann die Hamstring-Sehne stecken. Die Beschwerden reichen von einer harmlosen Zerrung bis zu einem Sehnenriss, der zeitnah behandelt werden muss. Entscheidend ist die richtige Einordnung – denn eine Zerrung, eine chronische Sehnenreizung und ein Riss werden völlig unterschiedlich behandelt. In meiner Praxis in Wiesloch sehe ich als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Freizeitsportler ebenso wie Läufer und Fußballer aus Walldorf, Nußloch und Heidelberg mit diesen Beschwerden.

Die Sehnen am hinteren Oberschenkel

Als Hamstrings bezeichnet man die drei Muskeln der Oberschenkelrückseite: den Musculus biceps femoris, den Musculus semitendinosus und den Musculus semimembranosus. Sie entspringen gemeinsam mit einer kräftigen Sehne am Sitzbeinhöcker des Beckens und setzen unterhalb des Kniegelenks an. Die Hamstrings beugen das Knie und strecken die Hüfte – beim Sprinten, Springen und Abbremsen arbeiten sie auf Höchstlast.

Am häufigsten betroffen sind der Übergang zwischen Muskel und Sehne in der Mitte des Oberschenkels und der Sehnenursprung am Sitzbein. Einen Überblick über alle Sehnen am Oberschenkel gebe ich in meinem Beitrag zur Sehnenentzündung am Oberschenkel.

Zerrung, Sehnenreizung oder Riss – so erkenne ich den Unterschied

Drei Fragen helfen mir bei der ersten Einordnung: Wie hat der Schmerz begonnen, wo sitzt er genau und wie viel Kraft ist noch da?

Die Zerrung beginnt plötzlich, meist beim Sprint, bei einer Schussbewegung oder beim Überdehnen. Der Schmerz sitzt typischerweise in der Mitte des hinteren Oberschenkels. Ein Bluterguss tritt nur gelegentlich auf, die Kraft ist meist nur leicht vermindert.

Die Sehnenreizung (Tendinopathie) entwickelt sich dagegen schleichend über Wochen. Der Schmerz sitzt tief im Gesäß am Sitzbein und wird vor allem durch langes Sitzen, Bergauflaufen oder eine tiefe Hüftbeugung ausgelöst. Einen Bluterguss gibt es nicht, und die Kraft ist kaum eingeschränkt.

Der Sehnenriss setzt wie die Zerrung plötzlich ein – oft mit einem hörbaren Knall oder einem deutlichen Riss-Gefühl. Typisch ist ein Unfallmechanismus mit gebeugter Hüfte und gestrecktem Knie, etwa beim Ausrutschen oder beim Wasserskifahren. Der Schmerz sitzt am Sitzbein oder am Oberschenkel, nach einigen Tagen zeigt sich häufig ein großflächiger Bluterguss, und die Kraft beim Beugen des Knies ist deutlich vermindert.

Die Zerrung

Die Hamstring-Zerrung ist die häufigste Muskelverletzung im Sport. Sie entsteht meist beim Sprinten, wenn der Muskel sich schnell verlängert und gleichzeitig abbremsen muss. Der Schmerz setzt schlagartig ein, der Sportler muss oft sofort aufhören.

Die Sehnenreizung am Sitzbein

Die proximale Hamstring-Tendinopathie entwickelt sich schleichend. Typisch ist ein tiefer Schmerz am Sitzbein, der beim Sitzen auf harten Stühlen, beim Autofahren oder beim Bergauflaufen zunimmt. Betroffen sind vor allem Läufer und Menschen, die viel sitzen.

Der Sehnenriss

Beim Riss löst sich die Sehne teilweise oder vollständig vom Sitzbein. Das passiert meist bei einer abrupten Bewegung mit gebeugter Hüfte und gestrecktem Knie – etwa beim Ausrutschen oder Wasserskifahren. Oft zeigt sich nach einigen Tagen ein großer Bluterguss an der Oberschenkelrückseite, und die Kraft beim Beugen des Knies ist deutlich vermindert.

Diagnostik: Was ich untersuche

Ich nehme mir die Zeit für eine ausführliche Befunderhebung. Dazu gehören die genaue Schilderung des Unfallhergangs, das Abtasten der Muskulatur und des Sitzbeins sowie Kraft- und Dehnungstests. Mit dem Ultraschall kann ich Muskel- und Sehnenverletzungen direkt in der Praxis beurteilen.

Bei Verdacht auf einen Sehnenriss am Sitzbein veranlasse ich ein MRT. Es zeigt, ob die Sehne vollständig abgerissen ist und wie weit sie sich zurückgezogen hat – das ist für die Therapieentscheidung entscheidend.

Behandlung: Was ich bei Hamstring-Beschwerden empfehle

Bei einer Zerrung

In den ersten Tagen stehen Schonung, Kühlung und Kompression im Vordergrund. Danach beginnt der schrittweise Aufbau: zunächst Beweglichkeit im schmerzfreien Bereich, dann gezieltes Krafttraining. Gut untersucht ist exzentrisches Training – also Übungen, bei denen der Muskel unter Spannung verlängert wird, etwa die Nordic Hamstring Curls oder Übungen in verlängerter Muskelposition. Ich empfehle, zwei- bis dreimal pro Woche zu trainieren.

Bei einer chronischen Sehnenreizung

Hier ist Geduld gefragt. Grundlage ist ein gezieltes, schrittweise gesteigertes Krafttraining der Sehne. Vermeiden Sie in der akuten Phase langes Sitzen auf harten Flächen und Dehnübungen, die das Sitzbein stark belasten. Bei hartnäckigen Beschwerden setze ich ACP/PRP ein. Das Konzentrat aus Ihrem Eigenblut injiziere ich ultraschallgestützt an den Sehnenursprung, wo es Reparaturprozesse im Sehnengewebe unterstützen kann. Der Standardzyklus umfasst drei Sitzungen im Abstand von je einer Woche, die Gesamtkosten liegen bei ca. 600 Euro. Die GKV übernimmt die Kosten nicht.

Bei einem Sehnenriss

Ist die Sehne vollständig vom Sitzbein abgerissen und deutlich zurückgezogen, wird in der Regel eine operative Refixation geprüft – und zwar zeitnah, idealerweise innerhalb weniger Wochen. Später wird der Eingriff deutlich schwieriger. Teilrisse lassen sich dagegen häufig konservativ mit gezieltem Training behandeln. Eine ehrliche Indikationsstellung ist mir wichtig: Ich bespreche mit Ihnen offen, welcher Weg in Ihrer Situation sinnvoll ist.

Zurück zum Sport

Nach einer leichten Zerrung sind viele Sportler nach zwei bis drei Wochen wieder im Training, nach schwereren Zerrungen dauert es sechs bis acht Wochen. Eine chronische Sehnenreizung braucht oft drei Monate oder länger. Nach einer operativ versorgten Sehnenruptur rechne ich mit mehreren Monaten bis zur vollen Sportfähigkeit. Wie ich Sportler bei der Rückkehr unterstütze, lesen Sie in meinem Beitrag zur regenerativen Medizin für Sportler.

Häufige Fragen zur Hamstring-Sehne

Wie lange dauert eine Hamstring-Zerrung?

Leichte Zerrungen klingen meist innerhalb von zwei bis drei Wochen ab, schwerere brauchen sechs bis acht Wochen. Wichtig ist, nicht zu früh wieder zu sprinten – das Risiko einer erneuten Verletzung ist in den ersten Wochen erhöht.

Darf ich mit einer Hamstring-Verletzung weiter laufen?

Lockeres Laufen im schmerzfreien Bereich ist bei einer Sehnenreizung oft möglich. Nach einer frischen Zerrung sollten Sie dagegen pausieren, bis Sie schmerzfrei gehen und leicht joggen können. Sprints und Bergläufe kommen erst am Ende des Aufbaus.

Was hilft bei Schmerzen am Sitzbein?

Ein weiches Sitzkissen, regelmäßige Pausen beim Sitzen und der Verzicht auf starke Dehnübungen entlasten den Sehnenursprung. Langfristig hilft vor allem gezieltes Krafttraining der Sehne.

Woran erkenne ich einen Sehnenriss?

Ein plötzlicher, heftiger Schmerz am Sitzbein, ein Riss-Gefühl, ein großflächiger Bluterguss und eine deutliche Kraftminderung beim Beugen des Knies sprechen für einen Riss. In diesem Fall sollten Sie sich zeitnah untersuchen lassen.

Vereinbaren Sie jetzt einen Termin in meiner Praxis in Wiesloch – ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.