Schleimbeutelentzündung an der Schulter: Spritze ja oder nein?
Was bei der Schleimbeutelentzündung an der Schulter passiert
Unter dem Schulterdach liegt ein großer Schleimbeutel, die Bursa subacromialis, die fließend in die Bursa subdeltoidea unter dem Deltamuskel übergeht. Mediziner sprechen deshalb oft von einer Bursitis subacromialis oder subdeltoidea. Der Schleimbeutel dient als Gleitlager zwischen Knochen und Sehnen. Wird er durch Überlastung, ein Impingement oder Kalkablagerungen gereizt, schwillt er an und schmerzt bei jeder Armhebung. Ausführlich zu Ursachen und Symptomen lesen Sie in meinem Beitrag zur Schleimbeutelentzündung an der Schulter.
Wann ich spritze – und wann nicht
Wann eine Spritze sinnvoll sein kann
Starke Schmerzen, die Training verhindern: Wenn Sie den Arm vor Schmerzen kaum bewegen können und nachts nicht schlafen, ist eine Spritze oft der Schlüssel, damit die eigentliche Behandlung – gezieltes Training – überhaupt beginnen kann.
Deutlich geschwollener Schleimbeutel im Ultraschall: Sehe ich im Ultraschall eine klare Entzündung mit Flüssigkeitsansammlung, kann eine gezielte Injektion schnell entlasten.
Beschwerden über mehrere Wochen trotz Schonung und Training: Dann bespreche ich mit Ihnen, welche Injektion am besten zu Ihrem Befund passt.
Wann ich eher darauf verzichte
Bei leichten Beschwerden, die sich mit Anpassung der Belastung und Training bessern, ist keine Spritze notwendig. Auch wenn die Schmerzen gar nicht vom Schleimbeutel, sondern etwa von der Halswirbelsäule ausgehen, bringt eine Injektion in die Schulter nichts. Deshalb ist die genaue Diagnose vorab so wichtig. Ich nehme mir die Zeit für eine ausführliche Befunderhebung – mit klinischer Untersuchung und Ultraschall direkt in der Praxis.
Kortison: schnelle Wirkung, aber keine Dauerlösung
Kortison hemmt die Entzündung sehr wirksam. Viele Patienten spüren innerhalb weniger Tage eine deutliche Linderung. Die Wirkung hält jedoch häufig nur einige Wochen an, wenn die Ursache nicht behoben wird. Wiederholte Kortisonspritzen können zudem das Sehnengewebe der Rotatorenmanschette schwächen. Ich setze Kortison deshalb gezielt und zurückhaltend ein – in der Regel nicht öfter als zwei- bis dreimal pro Jahr an derselben Stelle. Warum Kortison keine Dauerlösung ist, erkläre ich ausführlich in meinem Beitrag Kortison bei Gelenkschmerzen.
ACP/PRP als biologische Alternative
Als Alternative zu Kortison setze ich ACP/PRP ein. Dafür entnehme ich Ihnen je nach System 15 bis 90 ml Blut und bereite es in einer Zentrifuge auf. So entsteht ein Konzentrat aus Blutplättchen, die Wachstumsfaktoren freisetzen. Diese Wachstumsfaktoren können Entzündungen regulieren und Reparaturprozesse im umliegenden Sehnengewebe unterstützen. Die gesamte Behandlung dauert etwa 30 Minuten.
Die Wirkung setzt langsamer ein als bei Kortison, belastet das Sehnengewebe nach heutigem Kenntnisstand aber nicht. Der Standardzyklus umfasst drei Sitzungen im Abstand von je einer Woche, die Gesamtkosten liegen bei ca. 600 Euro. Die GKV übernimmt die Kosten nicht.
Kortison, ACP/PRP oder abwarten – der Vergleich
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Kortison |
ACP/PRP | Abwarten mit Training | |
|---|---|---|---|
| Wirkungseintritt | wenige Tage | nach einigen Wochen | nach mehreren Wochen |
| Wirkdauer | oft einige Wochen | in der Regel länger anhaltend | abhängig von Konsequenz |
| Wirkung auf Sehnengewebe | bei häufiger Anwendung schwächend | kann Reparaturprozesse unterstützen | stärkend |
| Kosten | in der Regel Kassenleistung | ca. 600 € (3er-Serie) | keine |
| Geeignet bei | akuten, starken Schmerzen | wiederkehrenden oder chronischen Beschwerden | leichten Beschwerden |
Unabhängig von der Injektion gilt: Die Spritze schafft das Zeitfenster, in dem gezieltes Training wirken kann. Übungen zur Kräftigung der Rotatorenmanschette, zur Schulterblattstabilität und zur BWS-Mobilisation bleiben die Grundlage.
Wie lange dauert eine Schleimbeutelentzündung an der Schulter?
Eine akute Bursitis bessert sich bei richtiger Behandlung in der Regel innerhalb von zwei bis sechs Wochen. Chronische Verläufe können mehrere Monate dauern, vor allem wenn ein Impingement oder eine Kalkschulter dahintersteckt.
Wenn eine Kalkschulter dahintersteckt
Nicht selten ist die Schleimbeutelentzündung eine Folge von Kalkablagerungen in der Sehne. Zur Abklärung reichen ein Röntgenbild in zwei Ebenen und ein Ultraschall – ein MRT ist für die Kalkdiagnose nicht nötig. Liegt eine Kalkschulter vor, richtet sich die Behandlung nach Größe und Stadium des Kalkdepots. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag zur Kalkschulter.
Häufige Fragen zur Spritze bei Schleimbeutelentzündung
Wie viele Kortisonspritzen sind an der Schulter in Ordnung?
Ich setze Kortison in der Regel nicht öfter als zwei- bis dreimal pro Jahr an derselben Stelle ein. Bessern sich die Beschwerden nach einer Spritze nicht dauerhaft, suche ich lieber nach der Ursache, als weiter zu spritzen.
Tut die Spritze in die Schulter weh?
Die Injektion selbst ist meist gut auszuhalten. Ich spritze ultraschallgestützt, damit das Medikament genau im Schleimbeutel ankommt. In den ersten ein bis zwei Tagen kann die Schulter etwas stärker schmerzen, bevor die Wirkung einsetzt.
Wie schnell wirkt die Spritze?
Kortison wirkt häufig nach zwei bis fünf Tagen. ACP/PRP braucht länger – erste Verbesserungen bemerken viele Patienten nach einigen Wochen, dafür hält die Wirkung in der Regel länger an.
Darf ich nach der Spritze trainieren?
In den ersten ein bis zwei Tagen sollten Sie die Schulter schonen. Danach beginnen wir mit leichten Übungen im schmerzfreien Bereich, die schrittweise gesteigert werden.
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