Achillessehne Schmerzen: Die Übungen, die wirklich helfen
Was steckt hinter Achillessehnenschmerzen?
Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers – und eine der am häufigsten überlasteten. Sie verbindet die Wadenmuskulatur (M. gastrocnemius und M. soleus) mit dem Fersenbein (Calcaneus) und überträgt bei jedem Schritt das Vielfache des Körpergewichts.
Wenn die Sehne dauerhaft mehr belastet wird, als sie sich erholen kann – durch zu schnell gesteigertes Training, ungeeignetes Schuhwerk, Fehlstellungen oder einfach Alter –, kommt es zu degenerativen Veränderungen in der Sehnenstruktur. Diese Tendinopathie (Achillodynie) ist keine klassische Entzündung, sondern ein struktureller Abbau: Die Kollagenfasern verlieren ihre parallele Ausrichtung, die Sehne verdickt sich, und der Schmerz entsteht.
Zwei Lokalisationen sind wichtig:
Mid-portion-Tendinopathie – Schmerz in der Sehnenmitte, zwei bis sechs Zentimeter oberhalb der Ferse. Dies ist die häufigste Form, spricht gut auf exzentrisches Training an.
Insertionstendinopathie – Schmerz direkt am Ansatz am Fersenbein. Häufig in Kombination mit einem Fersensporn. Reagiert empfindlicher auf Dehnübungen – hier ist die Trainingsauswahl entscheidend.
Symptome bei Achillessehnen-Tendinopathie
Typisch ist der Morgensteifheit-Schmerz: Die ersten Schritte nach dem Aufstehen tun weh, nach einigen Minuten lässt er nach. Belastungsschmerz beim Laufen, Treppensteigen und Abdrücken sowie ein tastbarer, druckempfindlicher Knoten in der Sehne sind weitere Zeichen. Im fortgeschrittenen Stadium schmerzt die Sehne auch in Ruhe und nachts.
Diagnose: Was ich in der Praxis prüfe
Die Diagnose beginnt mit der körperlichen Untersuchung – ich palpiere die gesamte Sehne, provoziere den Schmerz gezielt und prüfe Wadenkraft und Sprunggelenkbeweglichkeit. Der Ultraschall ist mein wichtigstes bildgebendes Mittel bei Achillessehnenbeschwerden: Er zeigt mir Sehnendicke, Strukturstörungen, Neovaskularisationen und Verkalkungen in Echtzeit. Das MRT setze ich bei Verdacht auf Partialriss oder bei unklaren Befunden ein.
Die richtigen Übungen bei Achillessehnenschmerzen
Exzentrisches Wadenheben – das Fundament
Die wissenschaftlich am besten belegte Übung bei Achillessehnenpathologien ist das exzentrische Wadenheben. Das Prinzip: Hochdrücken auf beide Beine, Absenken nur auf das betroffene Bein – langsam, kontrolliert, mit vollem Bewegungsausmaß.
Für die mid-portion-Tendinopathie wird die Übung auf einer Treppenstufe durchgeführt, sodass die Ferse unter das Treppenniveau abgesenkt werden kann (volle Dorsalextension). Das erzeugt maximale Dehnung unter Belastung.
Für die Insertionstendinopathie erfolgt die Übung nur auf ebenem Untergrund – die Ferse wird nicht unter Treppenniveau abgesenkt, da übermäßige Kompression am Sehnenansatz kontraproduktiv ist.
Dosierung: 3 Sätze à 15 Wiederholungen, zweimal täglich, sieben Tage die Woche – mindestens zwölf Wochen konsequent. Leichte Schmerzen während der Übung sind akzeptabel; starke Schmerzen (über 5 von 10) sind ein Signal, die Intensität zu reduzieren.
Isometrische Übungen als Einstieg
Bei sehr akuten Schmerzen beginne ich mit isometrischen Übungen: Die Wadenmuskulatur wird angespannt, ohne dass eine Bewegung stattfindet – zum Beispiel indem der Vorfuß gegen eine Wand gedrückt wird. Isometrische Kontraktion senkt nachweislich den Schmerz kurzfristig und ermöglicht den Einstieg ins Training, bevor exzentrische Belastung toleriert wird.
Heavy Slow Resistance als Fortschritt
Wenn die exzentrischen Übungen gut toleriert werden, ergänze ich das Programm mit schwerem, langsamen Widerstandstraining (Heavy Slow Resistance): Wadenheben mit zusätzlichem Gewicht, sehr langsam ausgeführt (3 Sekunden hoch, 3 Sekunden runter). Dieses Training reorganisiert die Kollagenstruktur der Sehne und macht sie belastbarer für sportliche Anforderungen.
Wann ACP/PRP sinnvoll ist
Bei Patienten, die trotz konsequentem Eigentraining über acht bis zwölf Wochen keine ausreichende Verbesserung erzielen, oder bei deutlichem strukturellen Befund im Ultraschall setze ich ACP/PRP ein. Ich gewinne aus dem Eigenblut des Patienten ein Wachstumsfaktor-Konzentrat und injiziere es ultraschallgestützt direkt in den degenerierten Sehnenbereich. Die Wachstumsfaktoren – PDGF, TGF-β, IGF – stimulieren die Sehnenreparatur auf zellulärer Ebene und regulieren die begleitende Neovaskularisation.
Der Standardzyklus umfasst drei Sitzungen im Abstand von je einer Woche, Gesamtkosten ca. 600 Euro. Für ausgeprägte Befunde biete ich ACP MAX an – eine hochkonzentrierte Einzelsitzung für ca. 650 Euro. Die GKV übernimmt biologische Sehnentherapie nicht.
Wichtig: ACP/PRP ersetzt das Eigentraining nicht – es unterstützt die Sehnenregeneration, die mechanische Stimulation durch Training bleibt unverzichtbar.
Häufige Fragen zu Achillessehnen-Schmerzen
Wie lange dauert es, bis Achillessehnenschmerzen vergehen?
Frische Tendinopathien, die konsequent mit exzentrischem Training behandelt werden, bessern sich nach vier bis acht Wochen deutlich. Chronische Fälle – alles über drei Monate – benötigen in der Regel drei bis sechs Monate. Geduld und Konsequenz beim Training sind entscheidender als jede andere Maßnahme.
Soll ich bei Achillessehnen-Schmerzen weiter laufen?
Grundsätzlich ja – aber dosiert. Starke Schmerzen beim Laufen oder Schmerzen, die sich nach dem Training verschlimmern und nicht innerhalb von 24 Stunden abklingen, sind Signale zur Reduktion. Leichte bis moderate Schmerzen während des Trainings sind kein Ausschlusskriterium.
Warum hilft Dehnen der Achillessehne nicht?
Dehnen allein reorganisiert keine geschädigte Sehnenstruktur. Es kann kurzfristig die Beweglichkeit verbessern, löst aber die zugrundeliegende Tendinopathie nicht. Bei der Insertionstendinopathie kann aggressives Dehnen sogar kontraproduktiv sein, da es den Druck am Sehnenansatz erhöht.
Ist ein Fersensporn das gleiche wie Achillessehnen-Schmerzen?
Nicht identisch, aber oft zusammen. Ein Fersensporn (Haglund-Exostose) ist ein knöcherner Vorsprung am Fersenbein, der mechanischen Druck auf die Sehne ausübt. Er ist häufig asymptomatisch – entscheidend ist, ob er Beschwerden verursacht, nicht ob er im Röntgenbild sichtbar ist.
Was kostet die ACP-Behandlung der Achillessehne?
Der Standardzyklus mit drei Sitzungen kostet ca. 600-650 Euro gesamt; ACP MAX als Einzelsitzung ca. 650 Euro. Alle Kosten bespreche ich vor Behandlungsbeginn transparent mit meinen Patienten.
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